Littauerboden im Jahr 1930

Mechanische Schreinerei

Vor 83 Jahren gab es auf dem überschwemmungsgefährdeten Littauerboden erst ein einziges Gewerbegebäude, und Littau bildete zusammen mit Reussbühl eine eigenständige Gemeinde. Auf unserem Bild von 1930, aufgenommen vom Reussbühler Fotografen Josef Buholzer, ist das Gewerbegebäude am linken Rand mit dem hohen Kamin erkennbar. Das Haus trug den stolzen Namen «Bahnschau» und war 1898 als mechanische Schreinerei erstellt worden. «Nach Konkursen und mehreren Verkäufen in schneller Folge erwarb um 1920 eine Littauer Familie das Haus. Sie nutzte es zu Wohnzwecken», sagt der frühere Littauer Sozialvorsteher Hans Purtschert, der sich intensiv mit der Geschichte dieses Stadtteils auseinandersetzt.

 

Scheune für Flugzeuge frei halten

Ansonsten war der Littauerboden damals hauptsächlich Landwirtschaftsgebiet. Die Bauern dort trugen während des Zweiten Weltkrieges ihren Teil zur Landesverteidigung bei. Nicht in Form von Bundesrat Friedrich Traugott Wahlens legendärer Anbauschlacht. Nein, das flache Land diente als eine Notfall- Piste für die Flugzeuge der Schweizer Armee. Die Landwirte mussten die Bäume in der Anflugschneise entfernen und Scheunen als Flugzeug-Unterstände frei halten. Der Notfall trat freilich nie ein.

 

Wohnhaus von Eierrösi

Auf der linken Gleisseite, vor der «Bahnschau», stand das Wohnhaus Niedermatt. Dort wohnte eine berühmte Littauerin: das Eierrösi. Mit richtigem Namen hiess es Rosa Marti, lebte von 1872 bis 1952, und dank ihren Littauer Jahren hat es Eierrösi posthum zum Luzerner Original und zur Littauer Fasnachtsfigur gebracht. Der Frau wird nachgesagt, als Eierhändlerin durch die Gegend gezogen zu sein. Zwischendurch kehrte sie im Restaurant Merkur hinter dem Luzerner Bahnhof ein, wo sie unter Einsatz ihres ganzen Charmes männliche Gäste dazu brachte, ihr einen Römer Wein auszugeben. Durch zurückhaltendes Mundwerk soll Eierrösi dabei nicht aufgefallen sein.

 

 

Auf den Bildern von 1930 und heute gibt es zwei Konstanten. Zum einen steht die alte Bahnhofhütte von Littau noch immer. Dort war lange Zeit auch die Dorfpost untergebracht. Zum andern thront auf beiden Aufnahmen der Turm der Pfarrkirche Gerliswil in stoischer Festigkeit auf einer Anhöhe in der Nachbargemeinde Emmen.